„Third Places – Neue Formen und Räume der Begegnung in Kulturinstitutionen“

stARTcamp+, 28./29. November 2019, Genf, Muséum d'histoire naturelle & Musée d’Art et d’histoire

Einleitung in das Thema

Für das Zusammenleben von Gesellschaften sind öffentliche, informelle Räume und Plätze von essentieller Bedeutung. Je nach örtlicher Situation können dies kleine Läden sein, in denen ‚man‘ sich trifft, oder auch angelegte Plätze, Parks, Cafés und öffentliche Gebäude wie Bibliotheken und Museen. Dies zeigt der amerikanische Stadtsoziologe Ray Oldenburg in seinem 1991 publizierten Buch „The Great Good Place“. Oldenburg reihte sich damit ein in eine Reihe von Städteplaner*innen, Aktivist*innen, Designer*innen und Soziolog*innen, die sich gegen eine modernistisch-funktionalistisch ausgerichtete Gestaltung sozialer Lebensräume aussprach, wie sie für Jahrzehnte bis weit in die 1970er Jahre hinein Gültigkeit hatte.

„Third Places – Neue Formen und Räume der Begegnung in Kulturinstitutionen“

stARTcamp+, 28./29. November 2019, Genf, Muséum d'histoire naturelle & Musée d’Art et d’histoire

Einleitung in das Thema

Für das Zusammenleben von Gesellschaften sind öffentliche, informelle Räume und Plätze von essentieller Bedeutung. Je nach örtlicher Situation können dies kleine Läden sein, in denen ‚man‘ sich trifft, oder auch angelegte Plätze, Parks, Cafés und öffentliche Gebäude wie Bibliotheken und Museen. Dies zeigt der amerikanische Stadtsoziologe Ray Oldenburg in seinem 1991 publizierten Buch „The Great Good Place“. Oldenburg reihte sich damit ein in eine Reihe von Städteplaner*innen, Aktivist*innen, Designer*innen und Soziolog*innen, die sich gegen eine modernistisch-funktionalistisch ausgerichtete Gestaltung sozialer Lebensräume aussprach, wie sie für Jahrzehnte bis weit in die 1970er Jahre hinein Gültigkeit hatte.

Was in funktionalistischen Vorstellungen vom Leben und Arbeiten in organisierten Gesellschaften ausgeblendet wurde und auch heute noch wird, sind u.a. das Bedürfnis nach ungeplanten Begegnungen, nach Orten, die so strukturiert sind, dass sie eine spontane Kontaktaufnahme ermöglichen. Dieses Bedürfnis spiegelt sich auch in der Charakterisierung wieder, die Oldenburg für «Third Places» in Anschlag bringt. So identifiziert er öffentliche Plätze als neutralen Grund, wo sich Angehörige der lokalen Bevölkerung treffen und miteinander interagieren können. Im Unterschied zu «First Places» – dem Zuhause – und den «Second Places» – dem Arbeitsort –, ermöglichen es «Third Places», von bestehenden Sorgen loszulassen und die umgebende Geselligkeit und Konversation zu geniessen. Darüber hinaus schreibt Oldenburg ihnen aber auch eine wichtige, demokratisierende Funktion zu. Öffentliche Plätze, Biergärten, Flaniermeilen, Pubs, Cafés, Postämter, Schwimmbäder u.v.a.m. leisten einen fundamentalen Beitrag zum Funktionieren einer Demokratie, indem diese Orte den sozialen Status nivellieren und dadurch soziale Gleichheit fördern, politische Solidarisierungen untereinander ermöglichen, öffentliche Umgangsformen hervorbringen und Individuen und Nachbarschaften eine psychische Unterstützung sein können.

Die Tagung stellt die Frage, wie Kulturinstitutionen zu einem demokratisierenden und vitalisierenden Ort öffentlicher Begegnung werden können – wenn sie es nicht schon bereits sind. In letzterem Fall richtet sich das Interesse darauf, wie diese Institutionen diesen Anspruch für sich angenommen haben und umsetzen. Von Interesse sind Projekte und Konzepte, in denen Institutionen sich bewusst an ein heterogenes Publikum wenden, indem sie Angebote formulieren, die in enthierarchisierender Weise die Erfahrungen und Perspektiven aus verschiedenen Sprach-, Denk- und Erinnerungsräumen miteinander in Verbindung bringen und dadurch Möglichkeiten zur Begegnung mit und zwischen Anderen schaffen. Es geht um Fragen der Repräsentation, der Bilder und Narrative, die bestehen und die ein Ausdruck bestehender Macht- und Ausschlussverhältnisse sind. Wie schaffen es Theater, Museen, Konzerthäuser etc. – den Willen dazu vorausgesetzt – dass in ihnen der soziale Status, die Herkunft, Schichtzugehörigkeit etc. keine Bedeutung hat? Welche Rolle spielt dabei die Art und Weise, wie die kulturelle Produktion in den Institutionen organisiert wird und von wem? 

Bei diesen Überlegungen ist die Unterscheidung in analoge Kunst und digitale Medien ausgesetzt, zumal Kulturinstitutionen sich längst in sozialen Medien bewegen und aufgrund ihres Handelns mit darüber entscheiden, ob aus dem digitalen Raum ein «Third Place» im Sinne einer nachbarschaftlichen Zivilgesellschaft wird.

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